Absam Matschgerer Tirol

Der Bock

Eine für unser Gebiet wohl einmalige Fasnachtserscheinung ist der Absamer Bock. Eine Verwendung findet der Bock oder die Geiß auch in anderen Gebieten Österreichs, ja sogar in anderen europäischen Kulturkreisen in der Fasnacht. Eine derart lange nachweisbare Tradition wie der Absamer Bock ist für unser Gebiet aber einmalig. Im Matschgerermuseum sind 3 Bockreiterlarven ausgestellt. Die neueste stammt aus den 70er Jahren und wurde von Karl Obleitner geschnitzt, bei der mittleren ist der Schnitzer unbekannt. Datiert ist sie allerdings mit dem Jahr 1908. Die älteste Larve diente als Vorgängermodell für die Larve aus dem Jahre 1908, Jahrzahl und Schnitzer sind auch unbekannt. Ob diese Larve überhaupt die älteste ist, mag bezweifelt werden, vielleicht vermummte der Reiter vorher sein Gesicht lediglich mit einem Lederfleck. Ganz eng verbunden ist die Darstellung bzw. Aufführung des Bock`s mit den Salzbergern, den im Salzbergbau tätigen Knappen, welche ihren eigenen Bock hatten. Dieser Bock war nicht aus Holz sondern aus Eisen.

Die Aufführung spielt sich folgendermaßen ab:
Der Bock stellt einen gehörnten Geißbock dar. Sein Reiter trägt einen roten Mantel, am Kopf eine hölzerne Larve und darüber den Zweispitz. Bock und Reiter stellen eine Einheit dar, der Reiter steht in der Mitte, rundherum ein Gestell, herab hängt ein gegerbtes Geißfell und vorne der hölzerne Bockkopf mit den Hörnern. Die Larve des Reiters könnte einen Schneider nicht trefflicher darstellen. Er hat ein schlankes, langes Gesicht, Brille auf der Nase, keinen Vollbart sondern nur eine zartes Geißbärtchen und ein eigenartiges, etwas hilfloses Geschaue. Dem Schneider Megg Megg in Wilhelm Buschs Max und Moritz nicht unähnlich.

Eine Gruppe begleitet den Bock: der Führer; der Fütterer, welcher mit seiner Futterkrippe am Rücken versucht den Bock zu füttern und dadurch ruhig zu halten und der Melcher, welcher vergeblich versucht den Bock zu melken. Ein Unterfangen, das schier unmöglich erscheint bei einer Geiß ja, aber nicht bei einem Bock.

Am Hut, also am Zweispitz des Bockreiters, sind als Spott auf die Schneiderzunft, Bügeleisen und Schere abgebildet und am Rückenteil des Mantels ein Ärmel aufgenäht. Es soll nämlich, einer alten Erzählung nach vorgekommen sein, dass ein hochrangiger Salinebeamter bei einem Schneider einen neuen Frack bestellt hat. Die Freunde des Schneiders haben hintertückischer Weise einen Ärmel gestohlen und diesen vor die Haustür auf den Türstock genagelt. Der arme Schneider hatte nun, aufgrund des fehlenden Ärmels, die größte Not und enormen Zeitdruck den bestellten Frack noch termingerecht fertig zustellen und zu liefern. Doch es gelang, aber dem Schneider war der Spott seiner Freunde sicher. So ist in der Absamer Fasnacht im Zusammenhang mit dem Bock öfter die Rede vom „Ärmelschneider“.

Im Buch „ Tiroler Fasnacht aus dem Jahr 1949 von Dörrer steht“
Der Absamer Bockreiter ist gefürchtet; er stößt nämlich Haistüren auf und rächt manches, was jahrüber im Dorf geschehen ist. Mit gespornten Stiefeln und wallendem, langem, geflickten Mantel und rotem Halskragen wütet er einher. Über der bartlosen Gesichtsmaske sitzt eine Papiermütze mit Schere und zerzauster Feder als Spott auf die Schneiderzunft. Vom Hinterkopf gleitet ein roter Attilla herab. Der Mann reitet auf einem Stecken, von dem jedoch nur vorne der angebrachte Ziegenbockkopf mit breiten Hörnern, roter Zunge und Schelle, rückwärts der buschige Schweif zu sehen ist. Eine Hexe treibt den Reiter, am Horn fassen, mit einem Besen an.

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Bock
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  Absamer Matschgerer • Obmann Lutz Andreas • Siedlerweg 5 • 6067 Absam • Tel: 0676/3849866