Absam Matschgerer Tirol

Der Zottler

Die wohl wichtigste Figurengruppe der Matschgerer, neben den Tuxern sind die Zottler. Dämonisch, in abgezirkelt wirkenden Bewegungen treten sie lärmend, stampfend und springend auf. Ausgerüstet sind sie mit einer Geißel- einem gezopften Hanfseil, das noch mit einem dünneren Hanfstrick umflochten ist und ursprünglich das Zugseil eines Pferdegeschirres war. Die Zottler stellen einerseits wilde Winterfiguren dar, schwerfällig und grimmig – die dunklen Mächte. Andererseits aber sind sie jene Gestalt, die mit dem „rituellen“ Mullerschlag, dem „Abmullen“, den mythischen Fruchtbarkeitskult ausüben. Im Grunde ist dies das wichtigste Ereignis dieses Brauchtums, alles andere bildet den Rahmen dazu.

Die Zuschauer freuen sich, wenn sie ein Zottler für den „Mullerschlag“ auserwählt hat. Bei Männern wird mehr oder weniger sanft oder auch mehr oder weniger kräftig mit der Hand die Schulter berührt – das „Abmullen“ soll Glück und Fruchtbarkeit vermitteln. Den Frauen fährt der Zottler mit der Hand durch das Haar und zerzaust es. Auch das ist mit der gleichen Symbolik, „Fruchtbarkeit, Gesundheit, gutes Gedeihen“ verbunden. Manche Zottler lassen die Geißel „schnöllen“. Wieder andere, die müssen allerdings schon besonders gelenkig und sportlich sein, machen den „Frosch“. Hierbei beugt der Zottler kniend seinen Oberkörper nach hinten, bis er mit der Schulter den Boden berührt- wobei die Absamer noch eine Besonderheit haben und sich damit von den Thaurern und Rumern unterscheiden: In Absam wird nur das rechte Bein in kniende Stellung gebracht, der linke Fuß wird waagrecht am Boden ausgestreckt. Eine nahezu artistische Verrenkung.

All dies geschieht unter großer Lärmentwicklung, mit kehligen Rufen und Schreien der Zottler. Ein wahrhaft archaisches Fest, das noch durch die finsteren Larven und die Bekleidung der Zottler unterstrichen wird. Ernst und düster sind die Larven, verbunden mit einem mit Fuchsfell, Blumen und Federn geschmückten Hut. Und ein „Gwand“, das mit vielen „Zotteln“ versehen ist.

Die Zottler hatten in früheren Jahrzehnten einen einfacheren Federnschmuck, nur einige am Hut, rückwärts hinausstehende, Hahnen- und Pfaufedern. Heute hingegen gibt es außer diesen, als „Barkopferten“ bezeichneten Zottlern, überwiegend die Zottler mit dem „Radl“ am Hut. Das ist ein auf der Seite des Hutes angebrachter, aus Pfauenfedern prächtig gestalteter Fächer. Larven und Kleidung sind oft seit vielen Generationen im Besitz der Familien und werden immer wieder weiter vererbt und getragen. Die Zotteln des „Gwands“ haben in Absam eine ganz besondere Eigenheit, die an die industrielle Textil-Vergangenheit Absams erinnert. Die alten Zottler haben noch jene Wachsfransen als Zotteln, die aus einem Abfall-Produkt der 1984 geschlossenen Textilfabrik Herrburger & Rhomberg hergestellt wurden.

Die Absamer Zottler sind stolz auf diese Besonderheit. Es handelt sich um mit einem speziellen wachsartigen Material präparierte Leinenfäden, sogenannte Litzen, in deren Mitte das Fadenauge war, durch das beim Weben der Kettfaden geführt wurde. Diese Litzen unterlagen einem hohen Verschleiß und waren nach Beendigung ihrer Lebensdauer Abfall – nicht aber für die Absamer Zottler, für sie sind diese „Wachs-Fransen“- so werden sie genannt- eine wertvolle Besonderheit und Zierde des Zottler-Gwands. Bei den neueren Zottler-Gewändern wird versucht diese Wachsfransen nachzumachen oder es wird ein „Gwand“ aus schwarzen Wollfäden hergestellt. Ein großer Unterschied zu den anderen Matschgerern oder Mullern, bei denen die Wollfäden aus rot-gelb-grünen Fäden bestehen.

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  Absamer Matschgerer • Obmann Lutz Andreas • Siedlerweg 5 • 6067 Absam • Tel: 0676/3849866